So wars: Mayhem, Gaahls Wyrd, Gost, Morast in Berlin | Astra Kulturhaus | 2019

Lange hatte man nichts Neues mehr von den Erfindern des True Norwegian Black Metals gehört. Doch im Oktober meldeten sich Mayhem mit ihrem sechsten Longplayer Daemon zurück. Von den Kritikern hochgelobt und von den Fans gefeiert begeben sie sich im November also mit neuer Musik auf Tour und machen dabei im Astra Kulturhaus in Berlin Halt. Ein richtiges Black Metal Feuerwerk ist es, denn auch Gaahls Wyrd, die Gruppe um den charismatischen und sagenumwobenen Kristian Eivind Espedal ist mit dabei.

Den Auftakt machen Morast, eine Death/Doom Metal Band aus NRW. Der Opener Slot an diesem Abend ist etwas undankbar, da trotz des Wochenendes zu so früher Stunde noch sehr wenige Zuschauer ins Astra gefunden haben. So spielen Morast vor einer überschaubaren Menge, die jedoch mit Applaus nicht geizt. Der Sound des Quartetts ist gut, wenn auch nicht innovativ. Für einen gemütlichen Start in den ereignisreichen Abend aber gerade Recht.

Die Gemüter spalten sich im Anschluss bei Gost – Die elektronischen Klänge von Bandleader Baalberith, kommen nicht bei Jedem gut an. Obwohl er mit seinem harten Cyberpunkmetal endlich mal etwas frischen Wind in die verstaubte Szene bringt, ist das Publikum eher skeptisch. Hier und da hört man “Hyper, hyper!” Rufe und man sieht, wie sich einige Zuschauer herablassend über den US-Amerikaner lustig machen. Dabei ist der Auftritt wirklich gut! Innovativ, leidenschaftlich und durchaus stimmgewaltig ist das leider viel zu kurze Set.

Nach kurzer Umbaupause beginnt das erste Highlight des Abends. Mit Gaahls Wyrd weht ein Hauch der wilden 90er durch das Astra. Gaahl, ehemals Sänger der Kultband Gorgoroth, und seine Band bieten ein Black Metal Spektakel bester Güte. Bedrohliches Licht, düstere Klänge und große Posen- so geht schwarzmetallische Spitzenunterhaltung. Neben Gaahls Wyrd Songs wie Ek Erilar und through past and past kommen auch die Gorgoroth Fans nicht zu kurz. Carving a giant ist gleich der zweite Song des Sets. Der Sound ist für Astra-Verhältnisse überdurchschnittlich gut und verträumt bangt der schwarze Mob zu weiteren Highlights wie Ghosts invited, Alt liv und Höyt.

Endlich betritt unter frenetischem Jubel und den ersten Klängen von Falsified and hated die Band die Bühne, auf die alle heute gewartet haben. Mayhem, wenn auch längst nicht mehr in Originalbesetzung. Nun muss man wissen, dass die Band aus Oslo eine, gelinde gesagt, turbulente Vergangenheit hat. Der wohl populärste ehemalige Sänger der Gruppe, Dead, tat es seinem Namen gleich und verabschiedete sich per Kopfschuss ins Reich der Toten, später wurde Gitarrist Euronymous vom derzeit erst kürzlich angeheuerten Bassisten und Burzum Gründer Varg Vikernes abgestochen. Eine Favela in Brasilien ist ein Dreck gegen Norwegen. Wie auch immer, den Zuschauern ist egal, dass vom Urkern nur noch Necrobutcher übrig ist, der auch gleich mit irrem Blick sein nächstes Opfer im Publikum zu suchen scheint. Attila, der VoKILList betritt in ausladender Mönchskutte, verschönert durch schwarzes Netz und ekliger, gehörnter Leatherface-Maske die Bühne. That’s the Spirit und so muss das auch sein!

Während ich mich im Fotograben frage, ob er mich eventuell gleich im Ganzen auffrisst, oder lieber was für schlechte Zeiten einfriert, ist das Publikum hinter mir, geschützt durch die Absperrung, mittlerweile vollkommen im Back Metal Himmel (oder der Hölle) angekommen. Die wieder überaus gelungene Lichtshow und der glasklare Sound unterstreichen das Gesamtkonzept Mayhem: Diabolik mit Klasse. Als hätte der Leibhaftige selbst seine Finger im Spiel, um auch den letzten Zweifler zu überzeugen. Während Attila mit einem Galgenstrick droht, stimmt die Band To Daimonium an, um nahtlos in My death überzugehen. Wie bereits vorab im Interview von Teloch angekündigt, besteht das Set aus drei Teilen. Der erste beinhaltet neue Mayhem Stücke wie die oben erwähnten. Der zweite Teil widment sich mit vier Songs ausschließlich dem Meisterwerk De Mysteriis Dom Sathanas. Freezing Moon macht hier den Auftakt, gefolgt vom begeistert aufgenommenen Pagan Fears, über Life Eternal und zuletzt Buried. Nach diesem kurzen Exkurs in die tiefste Mayhem-Vergangenheit, geht es im dritten Block wieder etwas versöhnlicher zu. Deathcrush, Chainsaw, Ancient Skin und Carnage und dann ist auch mal gut.  Attila hat im Laufe des Konzerts seine Kutte und Maske abgelegt und performt in Klamotten unserer Zeit – aber immer noch mit Corpse Paint, Ehrensache. Zwischendurch fuchtelt er mit einem Knochenkreuz herum und auch ein pompöses goldenes, umgedrehtes Kreuz darf nicht fehlen. Zurecht wird die Band mit langanhaltenden Applaus verabschiedet.

Betrachtet man die Black Metal Szene so, wie sie sich in weiten Teilen selbst sieht, nämlich mit einem Augenzwinkern und ehrlichem Interesse an der Musik, den Harmonien und dem popkulturellen Hintergrund, so erlebt das Astra einen perfekten Abend. Vier Bands für schlappe 25€, toller Sound, abwechslungsreiche, spielfreudige Bands mit Kultstatus und eine herausragende Lightshow bei Gaahls Wyrd und Mayhem. Die Stimmung im Astra ist positiv und wohlwollend, von grimmiger Gefahr keine Spur. Der Band-Merch ist ansprechend und die Preise angemessen, ebenso wie das gastronomische Angebot der Venue. Was für ein schöner Abend! Die einen zieht es in Paules Metal Eck, die anderen gehen noch ins Lido auf die offizielle Aftershowparty. Für die Band heißt zur Geisterstunde Buscall- der Tourplan ist eng. Ha det bra, Mayhem, ha det bra, Gaahls Wyrd! Bis zum nächsten Mal.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

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